- HM in Mörbisch -
14. Mörbischer Rad- und Laufsporttage

Nur fünf Tage nach den Strapazen des Mürzman sitze ich am Rad und radle gemeinsam mit Robert die 70km Strecke zu meiner Mutter um ihr Auto zu holen. Dafür, dass uns am nächsten Tag ein Laufwettkampf bevor steht, sind wir auf jeden Fall zu schnell unterwegs, aber wir können uns einfach nicht zurück halten.

Nach unserer Ankunft am Gehöft meiner Mutter werfen wir sogleich die Räder ins geborgte Auto und machen uns wieder auf den Weg nach Weiz, bleiben die Nacht und fahren Samstagvormittag weiter ins Nordburgenland. Wir erreichen zum richtigen Zeitpunkt unsere Unterkunft, denn kurze Zeit später waren auch die anderen Wochenendegäste eingetroffen und der ganze Hof zugeparkt. Wir beziehen also unser schönes Zimmer mit Balkon im Landhaus Pannonia (www.landhaus-pannonia.at) packen unsere Räder aus und rollen Richtung Rust. Robert war noch nie in dieser Gegend Österreichs und so möchte ich ihm den Neusiedler See zeigen, an dem ich meine Liebe zum segeln entdeckte. Unterwegs besorgen wir uns bei einem Supermarkt eine Jause. Während wir so in der Sonne auf der Wiese zwischen den Bäumen am See liegen und den Enten zusehen herrscht nicht gerade die übliche Vorwettkampfaufregung. Aber irgendwann ist es soweit und wir müssen wieder zurückradeln - ich bin schon am einschlafen und meine zu Robert ob wir nicht lieber auf den Kampf verzichten und hier bleiben wollen.

Auf dem Weg zurück nach Mörbisch fahren wir die Laufrunde die wir viermal zu laufen haben werden, ab und schauen uns die Labestation an. Der Start für den Halbmarathon war mit 14:15 Uhr angesetzt und soweit war diese Zeit nicht mehr entfernt. Ich sitze in der kräftigen Sonne auf unserem Balkon und bereite meine Beine vor. Ich wäre so gern dort sitzen geblieben, aber Robert war bereits unterwegs zum Einlaufen und auch ich bewege meinen faulen Körper zehn Minuten vor Start endlich aus dem gemütlichen Zimmer.

Ich lege es auf eine neue Bestzeit an, die flache Strecke und die vielen heurigen Laufkilometer stimmen mich optimistisch. So attackier ich sofort nach Start, lege von Anfang an ein hohes Tempo an den Tag. Auf den ersten paar hundert Meter geht es aus dem Ort, entlang der Bundesstraße und ich bin bald auf dem vierten Platz unterwegs. Es fühlt sich an, als könne ich dieses Tempo halten. Die Hitze ist meine Gefahr und der Magen befindet sich an der Grenze der Überreiztheit. An der ersten Labe kühle ich mich mit etwas Wasser und halte meine Position bis in die Ortschaft. Als ich dort meine Arme mit Wasser überschütte wundere ich mich, während ich einen Becher in mich schütte, wieso das so schäumt - Kohlensäure. Ein paar Meter weiter stößt es mir aus. Mit dem Tempo ist es vorbei. Ich habe zu kämpfen mich nicht zu übergeben. Ich schimpfe und fluche in Gedanken in einer Tour. An der Labe außerhalb des Ortes rege ich mich auf und es wird mir versichert, dass es nicht sein kann, dass im Ort prickelndes Mineralwasser ausgegeben wird. Ich denke über das Aufgeben nach. Es ist eine Qual. Mehrmals muss ich stehen bleiben, weil ich glaube mein Magen würde sich jeden Moment entleeren wollen. Ich denke darüber nach in der Wiese zu liegen und den anderen Läufern zuzusehen. Ich will meine Chance für die Kombiwertung (Halbmarathon + Radmarathon) nicht ganz vergeben und versuchen ein vernünftiges Tempo zu halten. Meine Beine sind so stark, aber ich kann sie nicht ausreizen. Jedes Mal wenn ich versuche etwas schneller zu werden muss ich auch schon wieder stehen bleiben und warte ein paar Sekunden ob es mir hoch kommt.

Ich habe viel Zeit mich zu ärgern und Aggressionen aufzustauen bis ich mit der schlechtesten HM-Zeit meiner Karriere das Ziel durchlaufe. Es dauert keine drei Minuten, da bin ich auch schon im Quartier und schnappe mir mein Rad. Angefressen flitze ich mit über 40 km/h aus dem Ort die Laufstrecke entlang. Ich muss meinen Energiestau abladen. Anderseits suche ich auch Robert, der angeblich aufgegeben haben soll. Es befinden sich noch einige Läufer auf der Strecke - als Letzter bin ich nun doch nicht. Ich biete Jedem mein (kohlesäurefreies) Magnesiumwasser an, was manche auch freudig annehmen. Zurück im Ort finde ich Robert bei unserem Quartier und er schließt sich mir an. Auch er hatte Probleme und konnte nicht das geben was rein von der Energie her möglich gewesen wäre.

Gesamt 40km waren wir an dem Tag am Rad unterwegs und beenden unsere Radrunde beim Festzelt um unser in den Kampfgebühren inkludiertes Abendessen einzunehmen. Dort erfahren wir auch die Ergebnisse, die mich eigentlich gar nicht interessieren. Ich fluche laut auf als ich erfahre, dass ich am Stockerl stehe. Ich hatte gehofft meine schlechte Zeit vertuschen zu können, aber wie spätere Gespräche ergeben, ging es allen schlecht und der Veranstalter entschuldigt sich auch mehrmals für den Fehler mit dem Kohlesäurehältigen Wasser. Trotzdem bin ich gestaut mit (negativen) Energien und konzentriere mich nur mehr auf den morgigen Wettkampf am Rad. Miesmutig steige ich auf das Podest um den Pokal für den 3. Platz entgegen zu nehmen.

Nach einer Dusche und vorm Fernseher am Bett liegend freuen sich Robert und ich aber schon auf das bevorstehende Radrennen am nächsten Tag.


starke Läufer waren unterwegs


solche Temperaturen im April sind für alle ungewohnt


von Samuel Petersen
www.cyclesam.at