Viele Tage lang bin ich schon aufgeregt. Wird die Rechnung aufgehen oder hab ich mich mit meinem nur kurz vorm Wettkampf angesetztem Intensivtraining (siehe Bericht Reisen-Norddeutschland) total vertan?
Freitag Nachmitag: Anreise per Auto. Auf der Fahrt Schlaf ich ein wenig; Nackenverspannungen sind die Folge die mir noch Probleme machen werden.
Ankunft gegen Abend.
Der Resnik-Truck parkt bereits im Fahrerlager. Manuela Resnik war als eine von zwei Frauen auf den 24h dabei. Michaela und Franz Preihs von Resnik-Xtreme-Team sind die einzigen hier die ich (persönlich), wenn auch nur flüchtig, kenne.
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Das Zelt wird aufgebaut, Gepäck, Kisten mit Nahrung und Sportbekleidung ausgeladen. Am halb neun beginnt die Fahrerbesprcheung mit anschließender Vorstellung der Stars während des Nudeln schlemmens.
Mit dabei waren z.B.: Marco Baloh (Slo), André Clavadetscher (Lie), Chris Hopkinson (Eng), Jure Robic (Slo), und einige starke Österreicher.
Dannach folgen ein paar wenige Stunden Schlaf im Zelt. Robert ist bei mir, Gabi in einer festen Unterkunft.
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| Während die 6 & 12-Stunden Fahrer bereits seit 8 Uhr morgens auf der Rennstrecke unterwegs sind wird noch etwas geschraubt und eingestellt. Feintuning eben. Manche Teams verbringen den ganzen Morgen damit Speichen nachzustellen und Laufräder zu runden.
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| Der Weizer Wolfgang Wiener besucht mich. Mit ihm gemeinsam war ich beim Mörbischer Radmarathon, wo ich meine ersten Rad-Wettkampferfahrungen sammelte. Leider kamen wir nie zu einem gemeinsamen Training und so verbindet uns hier beim Rennen auch nicht viel mehr als die gemeinsame Herkunft.
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| Kurz vor 10 Uhr sammeln wir 24er uns und werden langsam auf die Strecke gelassen auf der die 6er und 12er dahin flitzen. Wolfi startet hier gerade (Mitte).
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| Und auch ich rolle auf die Rennstrecke.
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| Die Liegeradler Hans, Christina und Othmar bei ihrem Start um 8 Uhr.
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| Die Betreuer, die hier am Freitagabend noch bei Bier gemütlichen in ihrem Zelt vorm Fernseher sitzen, sind nun schon tüchtig mit vielen anderen am Rande der Rennstrecke tätig.
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| Wie ich halt so bin bevorzuge ich es erst mal alleine unterwegs zu sein.
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| Samuel beim bestaunes des Materials eines Staffelfahrers. Karbonfelgen haben halt auch schon fast was Erotisches.
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| Hans Pfeifer aus Feldbach überrundet mich immer wieder. Er steigt um 14 Uhr als Sieger der 6-Stunden-Wertung vom Rad. Derweil gehts mir weniger gut. Kopfschmerzen, die bald wegen der Nackenverspannungen auftraten, plagen mich.
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Etwas einsam drehe ich bisschen gemütlicher meine Runden in der warmen Nachmittagssonne. Als einziges Messinstrument befindet sich eine analoge Uhr auf meinen Rad. Ich habe sie vor 12 Jahren von einem Freund bekommen. Von meinen Betreuer erfuhr ich den aktuellen Kilometerstand, rechne umher und sehe, dass mein Ziel, die 500km in 24h, zu schaffen ist.
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| Einige Frauen sind mit unterwegs. Hier die Engländerin Ann Wooldridge, sie fuhr in der 12h-Wertung.
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| Die ehemalige Rudersportlerin und Triathletin Sandra Pichler fährt in einer Mixed-Staffel mit ihren Fahrradbotenkollegen.
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| Mal werde ich verfolgt ..
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| .. dann verfolge ich wieder. Eine Stunde muß ich von der Rennstrecke weg. Ich halte die Kopfschmerzen nicht mehr aus. Um 17 Uhr gehts etwas fitter weiter.
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| Samuel neben dem coolen Willi. Seit einigen Jahren auf der Ultradistanz unterwegs drehte er auch hier 24h lang seine Runden mit weniger Zwischenpausen als manch anderer Athlet.
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| Ich treffe Wolfi an. Er ist ein wenig angeschlagen, lag er doch noch die letzte Woche schwerkrank im Bett. Ein paar Stunden später wird er aber wieder voll da sein.
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| Das Wärmekraftwerk das dem Wettkampf den Namen gab.
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| Samuel und Othmar. Wer ist da wohl schneller?
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| Langsam geht die Uhr gegen 20 Uhr und die 12-Stunden Fahrer geben Gas und um noch einige Kilometer weiter zu kommen. Ich bin froh da nicht mitziehen zu müssen, 14 Stunden habe ich noch zu fahren, und entscheide mich zur geistigen Entspannung für ein paar Runden ein Schwatzchen mit Manuela Resnik einzulegen. Manuela wird übrigens zwei Wochen später den 3. Platz bei den Europameisterschaften im Double-Ironman belegen.
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| Die erst 19jährige Annabelle Konzcer gewinnt bei den Frauen. 400km radelte sie in den 12h. Eine Kilometerzahl von der ich derweil noch träume.
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| So sehen anständige Rennradler aus, im Gegensatz zu meiner Performanz.
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| Eine Goldwing wird mit ihrer bunten rundum Beleuchtung den Stärkest von uns, die sich auf Weltrekrodjagd befinden, nachts den Weg weisen.
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Es folgt eine harte Nacht. Um halb zehn rolle ich ins Fahrerlager und steige gemeinsam mit Manuela, mit der ich die letzten Runden drehte, vom Rad. Gabi kommt bestürzt angelaufen, aber ich bestehe auf eine kleine Pause. Wenn auch nur für die Psyche. Ich erschrecke als ich mein Gesicht in einem Spiegel sehe. Die Augen sind weitest geöffnet und mein Blick scheint an meinem Spiegelbild vorbei zu gehen, wie ein Süchtiger sehe ich aus. Ich ziehe mir Armlinge und Beinlinge an, wechsle zu einer Schutzbrille mit weißen Gläsern und weiter gings. Ich kämpfe anfangs sehr mit meiner Müdigkeit. Ich hänge mich an andere Fahrer, es kostet mich aber sehr viel Kraft (Konzentration) den Abstand zu halten, die Kurven bekomme ich zu spät mit. Ich entscheide, dass es nervschonender ist alleine zu fahren. Verschiedene Probleme tun sich auf. Meine Btreuer packen mir mehrmals fast leere Batterien in die Lampe; ich erkenne den Straßenverlauf in den Kurven nicht recht; ich döse etwas weg bis es mich hochreißt und ich keine Orientierung habe "Wo bin ich? Kommt jetzt eine Kurve? Sind hier die Schlaglöcher?", bei einem Teilstück mit rauem Lichtschluckendem Asphalt ohne Straßenbemalung und mit hohem Gras am Straßenrand finde ich manchmal die Straße nicht und habe Angst gleich abzukommen. Andere Fahrer berichten mir später von den gleichen Problemen. Ich bin wahrlich am kämpfen wach zu bleiben. Um halb zwei Uhr unterbreche ich mal um in den Toilettencontainer zu gehen und mich vom grellen Licht dort drinnen aufwecken zu lassen. Ich treffe dort Annebelle Konzcer und will mit ihr ein Schwatzerl anfangen. Meine Betreuer stehen aber schon neben mir und glauben, dass ich nicht mehr ganz bei Sinnen bin (was oft bei Fahrten die über die Nacht gehen eintritt und wo dann die Betreuer bestimmen müssen) und schicken mich aufs Rad zurück. Ich will aber im Licht bleiben bzw einigen wir uns dann, dass ich noch meine Kontaktlinsen rausnehme, zu Brillen wechsle und dann gleich wieder weiterfahre. Es geht mir erheblich besser. Ich bekomme gute Laune und das schraube das Tempo hoch. Ich hole auf einmal den Engländer Chris Hopkinson ein. Er jagte am Abend noch mit einem Affentempo der Goldwing hinterher, fast 50 km/h legte er an den Tag. Ich mache mir Sorgen warum er hier so herumschleicht und rede ihm ein wenig zu. Etwas später komme ich mit einem Radler zusammen der mir ganz freudig erzählt, dass er jetzt noch 4 Runden fährt und dann wartet ein Bett auf ihm. Zehn Minuten später wird er immer freudiger, nur mehr drei Runden. Ich halte das nicht für sehr motivierend, will ich doch noch die drei Stunden bis Sonnenaufgang durchhalten. Wenn mal die Sonne zum vorschein kommt, so denke ich, sollte die Müdigkeit kein Problem sein.
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| Mit jeder Runde wird es ruhiger in der Betreuerzone. Immer weniger Klatschen, Rufe, Jubel. Viele Betreuer liegen/sitzen in dicke Schlafsäcke gehüllt und dösen bis sie wieder gebracht werden.
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| In Zelt im Fahrerlager in dem sich die Staffelfahrer ausruhen.
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| Es wird gleich weiter gekämpft, die vielen bereits gefahrenen Stunden hindern nicht weiter alles zu geben.
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Ich gehe wieder in ein höheres Tempo über und bleibe einige Zeit dabei während einige sich ihrer Müdgkeit geschlagen geben. Ich bekomme schreckliche Knieprobleme. Schreie entfleuhen mir auf der Strecke. Viele besorgte Blicke fallen auf mich, wenn ich neben der Straße auf der Matte liege und von drei Betreuer versorgt und behandelt werde was manchmal nach jeder Runde notwendig war. Doch das ich hier von den Betreuer dazu gebracht wurde immer wieder weiterzufahren verhalf mir wahrscheinlich zum Erfolg. Ich bin stolz darauf die Nacht durchgehalten zu haben...
Später erfahre ich das es gegen vier Uhr furchtbar geworden war und daher meine Schmerzen kamen. Auch Füße und Finger wurden langsam taub. Daran hatte ich nicht gedacht und mir deswegen auch nicht mehr angezogen. Ich dachte an eine Verletzung im Knie und fragte mich wie lange es wohl dauern würde bis ich wieder laufen können werde. Irgendwann wir es aber doch Morgen, die Sonne kommt heraus und erweckt in uns allen neue Energien.
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| Robert (rote Kappe) steht am Morgen noch immer in der Zone der fliegenden Betreuung und schaut angespannt ob sein Schützling kommt und Anweisungen gibt.
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| Die Fahrer sahen bereits am Abend abgekämpft aus. Jetzt, 12 Stunden später, gehts einigen sogar besser (mir z.B.).
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| Ein paar Betreuer und Staffelfahrer ruhen/schlafen an der Rennstrecke.
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| Sam, links hinten im Bild. Mit den ersten wärmenden Sonnestrahlen verschwinden die Kniebeschwerden. Jetzt wird es Zeit die verlorene Zeit wieder gut zu machen und auf die Tube zu drücken.
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| In den Morgenstunden kommen Bärenkräfte in mir hoch. Hier ruhe ich mich gerade für ein paar hundert Meter in der Gruppe aus, die ich die nächsten Kilometer wieder anführen und ziehen werde. Eine mit Stolz erfühlende Tatsache.
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| Die Tempoanzeige an der Ortseinfahrt zeigt mir ob ich mich nur stark fühle oder es auch bin.
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| Nach dem Zielsprint. Ich habe einfach die falsche Übersetzung und mußte mich damit begnügen als Zweiter durchs Ziel zu kommen, was vollkommen egal ist, da sowieso nur die in 24 Stunden gefahrenen Kilometer zählen. Erst jetzt bekam ich die vielen Leute mit, die sich mittlerweile angesammelt hatten, schrien und jubelten.
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| Meine weinde Mutter springt mir an den Hals. Es ist geschafft, vorbei die Anstregung und Anspannung. Zig Leute kommen und gratulieren mir während ich mich mit einer Flasche Wasser abwasche. Bis auf leicht angeschwollene Augen merke ich nichts von den vergangenen Stunden. Mit irgendwem telefonierte ich hier gerade, verstand aber bei dem Jubelgeschrei nicht viel.
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| Die Damen-Staffel bei der Siegerehrung. Sie sind vom Fahrradbotendienst VeloBlitz in Graz.
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| Wittner, Buxhofer und Hörmann schafften es neben der perfekten Organisation dieses großen Wettkampereignisses auch noch einen neuen Österreichrekord in der Staffelwertung aufzustellen.
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