Als wir letztes Jahr von der Bergwanderung in den Wölzer Tauern zurück kamen war klar, 2004 müssen wir dort wieder hin. Ich wollte gleich am Sommeranfang los, aber leider bekam Robert von seiner Firma lange keinen Urlaub. So hieß es warten. An meinem letztes Ferienwochenende klappte es dann. Donnerstagnacht holte mich Robert zuhause ab. Ich hatte bereits Stundenlang getüffelt wie sich mein Gepäck am besten am und im Rucksack verstauen lässt, nicht verloren gehen kann und angenehm zu tragen ist. Mit meinen 32kg und der Ausrüstung die ich Robert zur Verfügung stellte gingen wir zu seiner Wohnung. Dort packten wir noch gemeinsam seinen Rucksack und schliefen ein paar Stunden.
Zeitig in der Früh ging es voller Aufregung los zum Bahnhof. Über Graz und Bruck kamen wir dann in Unzmarkt an wo uns ein ehemaliger Klassenkollege Alexander von mir abholte und in die Berge brachte.
| Start der Tour am Freitagmittag beim Greimhaus.
|
|
Nach der Stundenlangen Zugfahrt ist aller Anfang mit dem ungewöhnten Gewicht am Rücken schwer. Wegen der Steilheit gehen wir im Zickzack, kommen aber Höhenmäßig teilweise fast nicht voran. Obwohl der Horizont zum Greifen nah scheint braucht es einige Stunden bis wir am Grat ankommen. Ich versuche hier gerade eines der kräftigen Pferde dort davon zu überzeugen mein Gepäck zu tragen.
|
|
|
| Glücklich und erschöpft lassen wir uns am Grat fallen. Es wir getrunken, geknabbert ... und Robert nickt gleich ein.
|
|
| Es muß weiter gehen. Schweigend und schnaufend schleppen wir uns langsam Richtung Greimspitze dahin. Robert blickt zurück und bestaunt die Aussicht, es scheint sich bereits gelohnt zu haben.
|
|
|
| Nach erreichen unseren ersten Gipfels (2474m) gehts geruhsamer weiter. Eine herliche Berglandschaft eröffnet sich uns.
|
|
| Wo gehts weiter? Die Karte wird studiert. Umliegende Berggipel werden versucht zu bestimmen. Doch kamen wir dort wirklich hin? Die Karte sagts, das freie Auge kanns nicht glauben. Also, je schneller es weiter geht desto eher sehen wir es.
|
|
|
| Das Rauf-Runter wird mir zu blöd (zu anstregend). Ich versuche mich seitlich zur nächsten Scharte zu schummeln; bis ich vor einer senkrecht nach unten fallenden Felswand stehe und auf allen Vieren zu Robert auf den Grat klettern muß.
|
|
| In der Scharte herrscht Windstille. Wir genießen die wärmende Nachmittagssonne, schließlich wollen wir ja keine Rekorde aufstellen.
|
|
|
| Ein Blick zurück. Ein wenig haben wir ja doch schon geleistet.
|
|
| Der Weg wird interessanter (gefährlicher).
|
|
|
| Gegen 17 Uhr finden wir einen Platz wo wir meinen nächtigen zu können. Matten aufgeblasen und eine Viertelstunde lang nach den ebensten 3,5qm suchen. Wir genießen die Abendsonne und die Berglandschaft ringsum während die Nudeln im Sturmkocher al dente werden.
|
|
| Wir beobachten diese Abendszene direkt aus unserem Schlafgemach aus.
|
|
Am Morgen geht es Robert sehr schlecht. [...] Nach langem Warten und diskutieren steht mein Entschluß fest. Ich werde Roberts Gepäck ins Tal zu einer Hütte bringen, mir unten meine Wasservorräte auffüllen; Robert meinte er schaffe den Abstieg alleine, wenn er ohne Gepäck gehen könnte. Ich wollte ihn dann abholen lassen und wäre die nächsten Tage alleine weitermarschiert. Robert war einverstanden die Tage bei Alexander zu Hause im Bett zu verbringen. So versuchte ich Alexander telefonisch zu erreichen, nur hatte ich keine Chance ein Mobilfunknetz zu empfangen. Während ich verzweifelt umherlief und mein Gerät hochhielt sprang der gerade noch schwerkranke Robert auf und war voll fit. Eben noch das Gefühl einen Virus eingefangen zu haben (ich mein ja das es hier oben keine geben kann) half ihn scheinbar mein Pefferminzöl doch sehr. Ihm tat scheinbar das Essen vorm schlafen nicht gut, ich hingegen bis das durch die vielen Radtour gewöhnt. Also war nichts mehr mit irgendwem anrufen und irgendein Gepäck ins Tal bringen.
|
| Robert liegt "krank" und schweigend neben mir und will nur mehr in sein Bett. Ich überlege was ich tun solle, warte Roberts Entscheidung ab und bestaune die Landschaft.
|
|
| Robert ist auf einmal wieder voll da, es wird gepackt und um 10:20 Uhr gehts weiter zur Rettelkrichspitze (2475m), wo wir bereits zehn Minuten später ankammen.
|
|
|
| Der Abstieg in die nächste Scharte erweist sich als nicht ganz einfach, da wir öfters mit dem Rucksack hängebleiben wenn wir von einem Felsen auf den nächsttieferen springen, war aber lustig.
|
|
| Um 12:10 Uhr erreichen wir den Hochstubofen (2385m) wo wir einige Leute treffen. Entgegen aller Empfehlungen gehen wir nicht den Wanderweg durchs Tal sondern klettern über die steile und schroffe Felsenwand runter. Endlich mal richtige Spannung! In der Scharte die unterhalb von mir ersichtlich ist verstauen wir unser Gepäck, besschweren es mit Steinplatten und mach uns um 13:15 Uhr auf in tiefere Gebiete um Wasser von einem kleinen See zu holen.
|
|
|
| Ja wo isser, der See? Wir hören zwar unter den Felsen Wasser plätschern, aber das hilft nicht viel.
|
|
| Vergnügen im Schnee.....
|
|
|
| Wir haben Wasser gefunden. Robert hat bedenken das es sauber (genießbar) wäre wogegen ich stur widerlege, trägt aber nichts dazu bei das die Qualität wenigsten gleichbleibt ;-) Ich befülle alle Flaschen und Säcke mit dem absolut reinen Wasser. Dann ziehe ich mich aus und nehme auch ein Sekundendauerndes "Bad".
|
|
| Nun haben wir unser Wasser und es heißt: wieder rauf auf den steilen, halb bewachsenen Felsen. Um halb drei kommen wir bei unserem Rucksäcken an.
|
|
Wir verstauen den Wasservorrat. Ich nehme einen Teil Roberts Wasser an mich um ihn etwas zu entlasten. Sein Rucksack taugt nicht viel und das Gehen fält ihm deutlich schwerer als mir. Nach einer halben Stunde des Kletterns kommt ein Ruckschlag. Ich stehe vor einem senkrechten Spalt, 7 Meter tief, drei Meter Abstand zur anderen Wand wo es weiter gehen würde. Ich schreie zu Robert zurück das er nicht zu folgen braucht. Ich gehe zurück zu ihm, wir beraten uns und ziehen die Karte zu rate. Es steht fest, es gibt keine andere Möglichkeit, wir müssen wieder zu dem See runter, von dort können wir wieder auf den Grat hochsteigen. Somit war die Wasserholaktion für nichts.
Um 16:15 Uhr erreichen wir die Haseneckscharte (2205m). Bergab war ich gut unterwegs und Robert etwas angebiedert, wieder bergauf kam ich hingegen Robert fast nicht hinterher. Wieder auf dem Grat angelangt fanden wir ein Stück überhalb der Scharte ein Plätzchen das vom Nächtigen in Frage kommen könnte. Ich legte mein Gepäck ab und ging den Grat weiter um zu prüfen ob wir hier am nächsten Tag weiter kommen würden. Eine Dreiviertelstunde später mußte ich Robert, der sich schon Sorgen wegen meines langen Ausbleibens machte, berichte, dass es eine Stelle gebe wo der Felsen 2,5m senkrecht in die Höhe ragt. Wir könnten uns zwar gegenseitig hochheben bzw. ziehen, aber mit dem Gepäck hat das keinen Sinn. Also: morgen gehts wieder ab ins Tal.
Es war nicht so einfach ein ebenes Pläzchen zu finden. Wir mußten uns genau auf den extrem windigen Grat legen um nicht vom Berg zu rutschen. Aus unserem Gepäck versuchten wir einen kleinen Windschutz zu bauen. Noch ohne irgendwas zu essen schlief ich während des einrichten des Schlafplatzes ein.
|
| Morgenszenerie.
|
|
| Es ist kalt. Geredet wir nicht. Robert plagt ein Zahnleiden, sein Zahnarzt hatte vor Start der Tour keinen Termin mehr frei.
|
|
|
| Wir genießen lange die Landschaft und das erhabene Gefühl.
|
|
| Irgendwann entschließen wir doch zu packen und uns auf ins Tal zu machen. Wir sind fest entschloßen noch am selben Tag auf die gegenüberliegende Schoberspitze zu steigen.
|
|
|
| Der Abstieg war nicht ohne. Das Runtersteigen mit dem schweren Gepäck.... und deutlich wärmer wurde es auch. Wir freuten uns als wir sahen, dass der Platz an dem wir schlafen bereits von Wolken eingehüllt war. So hatten wir ja nochmal Glück gehabt.
|
|
| Endlich wirds flacher, und Wasser gibts hier auch. Auf zur Katzenwäsche.... mit eisigstem Wasser.
|
|
|
| Olympiaschwimmer ?
|
|
| Zwei Wandersleut.
|
|
|
| Juppieh, bald sind wir bei der Hütte und dann wir mal wieder gekocht. Aber wird das heute noch etwas mit dem Aufstieg auf die Schoberspitze? Die lieben Wolken die sich da tummeln...hm.
|
|
| Bei der Hütte angekommen wird das Gepäck abgelegt und Robert läuft (!) gleich los. Ich hole meine Kamera und folge ihm durch die Sträucher zwischen denen er am Ende der Weide verschwand. Ein nettes Plätzchen hatte er hier gefunden.
|
|
|
| Und auf zur kleinen Mutprobe....
|
|
| Kurz nach unserem Plantschen wurde es deutlich kälter. Der Himmel war komplett bedeckt und einige Wanderer kamen hierher zurück zu ihren Autos. Ich kochte derweil.
|
|
Das Essen tat uns gut. Als wir gerade beim Abwasch waren sah ich einen einsamen Wanderer mit Autokennzeichen 'Fürstenfeld' der sich scheinbar gerade auf den Heimweg machen wollte. Ich rief zu ihm ob er uns nicht bis Gleisdorf mitnehmen könne. Nach kurzem Gespräch kam heraus: er wohnte früher in unserer Gegend und war vor 12 Jahren gemeisam mit Robert in einem Profiradteam. So hatten wir unsere Fahrgelegenheit nach Hause.
In Gleisdorf lies er uns raus. Robert und ich wolten nicht blöd auf den Bus nach Weiz warten. So marschierten wir los, waren froh mal im Flachen unterwegs zu sein und erwarteten zur gleichen Zeit mit dem Bus in St. Ruprecht anzukommen. Wir kamen sogar ein paar Minuten vorher an, entschieden uns aber doch gleich bis Weiz zu gehen (also die ganzen 16km). Gerade als wir den Ort verließen kamen auch schon die ersten Regentropfen. Robert fluchte, ich aber hatte meine kleine heimliche Freude am Regen. Wir ließen uns nicht aufhalten und gingen mit möglichst höhem Tempo weiter. Die dünne Kleidung klebte am Körper. Keinen von uns wollte seinen Rucksack in das auf der Straße stehende Wasser legen. So hofften wir auf eine Unterstellmöglichkeit im nächsten Ort um uns Gewand überzuziehen. Wir mußten uns nach vorne gegen den Nordwind legen und marschierten was das Zeug hielt. In Neudau hopste ich durch ein offenes Garagentour eines Bauerns und streifte mir dort meinen Bundesheerpulover über das nasse Trikot. Schon ging es weiter. Drei Stunden dauerte unser Marsch von Gleisdorf nach Weiz. Zum Schluß hatten wir schon unseren Spaß daran. Durch das hohe Tempo war uns wolig war. Wir gingen neben der Bundesstraße her und gerade über die Kreisverkehre drüber. In der Stadt trennten sich unsere Wege. Ich hatte noch 1,5 km vor mir bis nach Hause. Ich war glücklich dort anzukommen. Mal sehen, vielleicht verschlägt es uns sogar nochmal diesenHerbst in die einsamen Wölzer Tauern.
von Samuel Petersen
www.cyclesam.at
|