- Nächtigen in einer Höhle -
Nachts rauf auf einen Berg, Lagerfeuer, Höhlenforschen

Es war wie viele Samstage. Aufstehen, waschen, anziehen, herrichten, rein in die Schuhe, auf dem Schulweg noch bei der reizenden Verkäuferin in der benachbarten Bäckerei ein Frühstück besorgt. Davon in der Schule noch schnell verdrückt was ging bevor der erste Lehrer kam. Vier Unterrichtsstunden runter gedrückt, schnell nach Hause, Vorgekochtes Mittagessen verdrückt, umgezogen und zur Arbeit. Am Abend wieder nach Hause gekommen und unter die Dusche. Diesmal aber kein Lauftraining am Programm, sondern was anderes, das schon länger anstand, war geplant.
Seit ich durch meine Radtouren gezwungen war auf den unglaublichsten Plätzen zu schlafen (ich erinnere: unter Autobahnbrücke in Luxemburg, Müllplatz bei Cambridge, Bahnhofswarteraum in Italien, Flughafenhalle in Stansted, …) bin ich immer wieder auf der Suche nach neuen außergewöhnlichen Schlafstätten. So wie ich vor zwei Monaten in einem Flussbett übernachtete, oder vor zwei Wochen auf einem Berg (mit Sommerausrüstung unter 0°C). Jetzt war das erste freie Wochenende an dem ich dem Wunsch des Nächtigens in einer Höhle nachgehen konnte.
Obwohl wir beide nach der Arbeit recht müde zu Hause ankamen ließen wir uns von der Idee nicht abbringen. Wir richteten die Ausrüstung zusammen die wir für Angehmessen hielten. Mit was zum grillen, Taschenlampen und (im Gegensatz zum Nächtigen am eisigen Berg vor zwei Wochen) auch einer Schlafhose im Gepäck fuhren wir in eine Klamm, nah zu unserer Heimatstadt.
Es war eine Vollmondnacht. Vollmondnächte sind immer sehr interessant. Es passieren immer ganz eigene Dinge und man fühlt sich auch anders. Vom Licht des Mondes war aber nichts zu sehen. Wegen der Wolkendecke standen wir im Stockdunkeln, nachdem wir aus dem Auto stiegen. Rucksäcke aufgeschnallt und den Berg abgeleuchtet um den Einstieg des Steigs zu finden [ein Steig ist ein Gehpfad der einen Berg hochführt; der Einstieg ist der Beginn des Weges]. Aus weißer Voraussicht führe ich stets zwei Lampen mit mir. Meine kleine Maglite hatte ich in der Hosentasche, meine Halogenlampe (die fürs Rad gedacht ist) montierte ich mir auf den Brustgurt des Rucksacks. So hatte ich super Licht beim gehen. Je nachdem ob ich meine Schultern nach vorne oder hinten zog konnte ich den Höhenwinkel der Lampe steuern ohne meine Hände zu gebrauchen. Das war auch notwendig, da es über Wurzel und Stein rauf und manchmal auch runter ging und ich meine Hände zum anhalten brauchte.
Robert wusste nicht mehr den Weg zur Höhle und wir schlugen die Direttissima ein. Der Weg war beschwerlich da der Hang hauptsächlich aus Geröll bestand. Wir mussten nebeneinander „gehen“ um uns nicht gegenseitig mit abrutschenden Steinen zu erschlagen. Teilweise ging es zwei Schritte vorwärts und wieder einen rückwärts. Robert und ich sind mittlerweile Spezialisten dafür immer den schwersten von allen möglichen Wegen zu finden. Wir kamen an eine hohe Felswand. Irgendwo an ihr sollte der Höhleneingang sein. Natürlich lag er tiefer als dort wo wir uns hoch gekämpft hatten. Wir gingen an der Wand entlang uns kletterten am Fels durch gegenseitig Hilfe zum Eingang runter.
Das war geschafft. Jetzt ging es zum forschenden Teil. Wir legten das Gepäck ab und bestiegen die Höhle. Alle Ecken und großen Stalagmiten wurden betrachtet. Wir machten die Lampen aus und bewunderten die absolute Dunkelheit (nachdem wir vor zwei Wochen am Berg die absolute Stille erlebt hatten). Es ist echt nicht möglich zwei Schritte zu machen (ohne zu stolpern oder sich anzuschlagen). Wir waren froh gute Lampen zu haben und entschieden sie besser weiter zu benutzen. Nachdem ein kleiner Platz der halbwegs eben und trocken schien gefunden war, bauten wir dort unser Schlaflager auf.
Außerhalb der Höhle war es um einiges wärmer. Robert suchte Holz während ich begann mit ein paar kleinen Zweigen (und einem Streichholz) ein Feuerchen zu entfachen. Schon bald hatten wir ein feines Lagerfeuer das ordentlich Wärme abstrahlte. Ich bewies schon als Kind ein Händchen zum Feuermachen als ich das Scheunentor meiner Eltern in Brand setzte.
Das war nun der gemütliche Part. Ich saß auf meinem Sitzkissen, Robert auf seinem Rucksack. Es war schön warm, das knisternde Feuer, ein paar Sterne funkelnden durch die Baumkronen über uns, die Vollmondkraft, die hohe Steinwand hinter dem Feuer direkt vor uns. Es war so wie in einer Hütte. Wir fühlten uns gar nicht im unangenehmen Freien, wie es viele empfinden würden. Nachdem das Feuer abgebrannt war kamen die Würsteln über die Glut. Ein paar Eier und einen Apfel hatten wir noch dabei (neben Salz, Kren und Senf). Das reichte. Als dann auch bald die Glut erlischt war blieb uns nichts anderes über als schlafen zu gehen. Noch weiter ein wenig unterwegs zu sein war ohne Kletterausrüstung nicht möglich. Und den Berg wieder hinunter, was möglich gewesen wäre, wollten wir ja auch nicht.
So hieß es rein in die Höhle. Wir kuschelten uns in unsere Schlafsäcke. Das laute Aufschlagen der von der Decke kommenden Wassertropfen störte etwas. War aber auch mal was Eigenes. Wann wird man schon in den Schlaf „getropft“?
Die Nacht war witzig. Ich träumte immer wieder davon schrecklich zu frieren, wenn ich erwachte war mir aber wollig warm. Eigenartig. Einmal hielt ich das Tropfen für ein nervöses Klopfen von Robert. Durch meine laute Frage ob ihm langweilig sein, weckte ich ihn leider auf. Dafür wurde ich mal aus dem Schlaf gerissen als mir Robert aus Versehen mitten in der Nacht seinen Ellbogen in den Rücken rammte. Er war gerade dabei seinen Pulli anzuziehen da er raus wollte. Nach langem Suchen nach meiner Taschenlampe stellte ich fest, dass es nicht mitten in der Nacht sondern bereits neun Uhr war. In einer Höhle täuscht das sehr. Ich suchte nach meiner Brille. Es sah toll aus. Ein dumpfes Licht an der Decke. Ein schwacher Lichtschein zeigte wo sich der Eingang befand. Er reichte aber nicht aus um den Weg nach draußen ohne Lampen zu finden. Draußen war es angenehm war. Und unglaublich hell. Aber wir mussten noch mal kurz in die feucht-kalte Höhle um unsere Sachen zu packen und nach draußen zu befördern.
Am Eingang wurde gefrühstückt. Der Berg gegenüber war erleuchtet von der Morgensonne. Robert und ich stellten fest, dass wir eigentlich immer dort sind wo es keine Sonne gibt und kalt ist. Wir entschieden das nächste Mal irgendwo ganz oben zu nächtigen damit uns am Morgen wärmende Sonnenstrahlen gewiss sind.
Als wir den treppenartigen Weg, der sich durch vieles begehen aus Wurzeln, kleinen Felsbrocken und Erde gebildet hatte, hinab stiegen sahen wir, dass wir uns am Vorabend nur wenige Meter davon entfernt den Berg hoch gekämpft hatten. Mal wieder mussten wir feststellen, dass wir ein wenig „dumm“ unterwegs gewesen waren. Aber durch unsere Fehler wir ja immer alles nur noch viel interessanter und sie stören uns deshalb gar nicht.
Bald waren wir beim Auto angelangt. Ab nach Hause.
Ich habe diese Woche den Winterkatalog meines deutschen Ausrüsters ‚Globetrotter’ erhalten. Nach der Suche von der richtigen Ausrüstung für meine geplante Wintertour wurde noch gekocht und dann ging’s zum Lauftraining für den Halbmarathon am Wochenende. Es wird der letzte Wettkampf für dieses Jahr sein in dem ich eine neue persönliche Höchstmarke im Laufen setzen muss die es dann nächstes Jahr zu brechen gilt. Ich bin momentan gut in Form und bin gespannt auf meine Zeit. Bald beginnt dann auch wieder das Radtraining und die Vorbereitung für die Tour im Dezember. Derweil muss ich mich aber, mit einem kratzenden Hals, an meine Arbeiten für die Schule machen.