- privater Burgenlandlauf -
70 Kilometer von Weiz bis ins Burgenland

unterwegs waren: Samuel, 19 & Robert, 34
ab dem ersten Drittel: Erwin, 34
auf Skates unser Betreuer Frank, 33

Ende April nahm ich am Neusiedler Radmarathon teil. Tags drauf war ich vorerst mal nicht mehr in der Lage am Rad zu sitzen, konnte aber meinen Bewegungsdrang nicht unterdrücken. So begleitete ich meinen Hausgenossen Robert erstmals beim Lauftraining.
Ich fand Gefallen daran. Besonders eigentlich darin, dass ich nicht mehr (wie beim radeln) alleine unterwegs war, sonders erstmals einen Partner hatte mit dem ich Trainingspläne ausarbeitete und gegenseitig Motivation spendete. Roberts Trainingsziel war der Grazer Marathon (sein erster Marathon). Wettkämpfe interessierten mich damals noch nicht und ich suchte mir ein anderes Ziel damit mein Training auch für irgendwas gut sei. Als jemand der es gewohnt ist bei seinen Touren per Rad größere Distanzen zurückzulegen als es für den Großteil der Sportler üblich ist kam ich zu folgendem Ziel: ich wollte meine Lauftechnik so weit perfektionieren und meine steifen Radlerbeine so weit trainieren, dass es meinem Körper möglich wird eine große Distanz, wie die von zu Hause in Weiz bis ins Südburgenland zum Hof meiner Mutter, laufend zu überstehen.
So wurde ich nun auch noch zum Läufer.
Mit der passender Zeit kam dann doch das Interesse am leistungsmäßigen Laufen (siehe dementsprechende Berichte). Nachdem die Saison zu Ende war pausierte ich für ein paar Wochen. In dieser Zeit kam der Wunsch auf, doch mein ursprüngliches Ziel noch zu verwirklichen. Ich fragte ein wenig herum und Robert und ein Lehrer aus meiner Schule trauten es sich zu mich durch die Kälte zu begleiten. Der Termin der Durchführung blieb einige Zeit noch an der Betreuerfrage hängen, bis sich Frank (den ich bei der LID-Aktion kennen lernte) bereit erklärte uns auf seinen Skates zu begleiten.
Ich wählte kurzfristig den darauf folgenden Sonntag aus, weil da Vollmond war und der nächste Tag Feier- und somit ein geeigneter Regenerationstag war. Robert und ich waren eine Woche vor dem Start 15km unterwegs um zu sehen wie stark unsere Leistung in der Trainingspause abgefallen war. Es sah nicht so schlecht aus und wir machten uns große Hoffnungen den geplanten Lauf durchzustehen.

Am Sonntag hieß es, wie für mich an fast jedem Sonntag, aufstehen um sechs Uhr zur gemeinsamen Meditation. Danach eine heiße Dusche und ein kleines Frühstück (drei Scheiben Zwieback). Gegen sieben Uhr trudelte Frank ein. Wir bepackten einen Rucksack mit Müsliriegeln, Keksen, Schokolade und Getränken den Frank bekam.
Die Stadt war leer und still. Die Sonne erwachte gerade und wärmte uns ein wenig bei den frostigen Temperaturen die es hatte. Wir waren voller Euphorie. Während wir uns gegen acht Uhr auf, Richtung Süden zur Stadtgrenze, machten begegneten uns auch andere morgendliche Läufer, aber keine wusste was wir vorhatten.
Es ging gemütlich dahin. Wir scherzten und blödelten ein wenig. Frank rollte stets vor uns her und lies uns jederzeit nach den Keksen im Rucksack oder an den Trinkschlauch greifen, wenn uns danach war.


Start unseres Unternehmens um acht Uhr bei Temperaturen um die Null Grad.
Die Morgensonne strahlt uns an.
Überall Schneeverwehungen von den Almen.

Wir haben die Strassen für uns alleine.

Frank, unser skatender Betreuer, rollt vor uns her.




kleine Pause in Gleisdorf
die ersten 15km sind geschafft

Robert hat seine Not verichtet..

.. und es geht sofort freudig weiter.

Gleisdorf lag hinter uns und wir änderten unseren Kurs Richtung Osten. Der Sommerberg lag vor uns. 120 Höhenmeter waren hier zu überwinden. Furchtbar kalt war es zudem, da die Straße im Schatten liegt. Robert bewies sich als hervorragender Bergläufer und ich hatte es schwer seinen wachsenden Vorsprung in Grenzen zu halten.
Das erste Drittel war geschafft. Hier schloss sich uns Erwin an. Er zeigte uns kleinere ruhigere Straßen. Wind kam auf der viel Energie kostete. Wirklich warm wurde es auch nicht (oder kann man 4°C als ‚warm' bezeichnen?).
Erwin hat sich uns in Pöllau angeschlossen.

Ein Kekserl zwischendurch.

Langsam kann man uns die Anstrengung im Gesicht ansehen.

Noch geht es uns allen recht gut.

Vor Fürstenfeld fiel Robert zurück. Wir warteten auf ihn. Eine seiner Zehen blutete bereits. Ich hatte Verbandsmaterial dabei, Pflaster half aber nicht viel gegen die Schmerzen. Ich gab ihm eins der Handys und empfahl ihm sich von meiner Mutter abholen zu lassen. Erwin und ich mussten gleich wieder weiterlaufen, denn mittlerweile waren wir soweit, dass man sich fast nicht mehr bewegen kann, wenn man länger ruht.
Erstmals kommen richtige Beschwerden auf und Robert fällt zurück. Das Unternehmen beginnt richtig fordernd zu werden.

Erwin und Samuel laufen durchs windige Lafnitztal, während Robert bereits langsam aufholt.

Einige Kilometer später hatten wir die Grenze ins Burgenland überlaufen und waren entlang der Bundesstraße die nach Ungarn führt unterwegs. Der Wind war hier im Lafnitztal stark zu spüren. Auch ich war bereits sehr geschwächt. Wir stellten fest, dass hinter uns Robert zu sehen war und wieder lief. Bald war er gleichauf und gab uns ein flottes Tempo vor. Zehn Kilometer galt es noch zu bewältigen. Und die erschienen als die härtesten.
Die letzten drei Kilometer sind die härtesten.

Glücklich waren wir, als wir nach 7,5 Stunden bei meiner Mutter ankamen. Warm war es im Haus und köstlich das Essen mit dem sie uns empfing.
Kontrolle ob noch alle Zehennägel da sind.

Meine werte Mutter legt ihre professionellen Masseurhände an.

Nachdem wir uns ausgeruht hatten brachte sie uns heim und war nachts noch ein wenig mit Frank und mir in Weiz unterwegs.

Wir alle hatten am nächsten Tag erstaunlich wenige Beschwerden. Ich spüre noch etwas mein anfälliges rechtes Bein.
Im Ganzen hatten wir viel Freude an dem Unternehmen. Mal sehen wann wir wieder gemeinsam unterwegs sein werden. Vorerst bin ich mit meiner Wintertour verplant.


von Samuel Petersen
www.cyclesam.at